
Herzlich Willkommen zu meinem Blogeintrag im September,
allmählich und ganz langsam werden die Tage kürzer. Wir bemerken es an der Luft, die am Vormittag bereits etwas kühler ist und sich um die Mittagszeit wieder erwärmt. Wir bemerken es im Supermarkt. Die ersten Lebkuchenherzen und die ersten Spekulatius habe ich gesichtet. In den Geschäften warten die Winterkleidung und die Schuhe auf einen neuen Besitzer.
Als ich das einer Freundin erzähle, antwortet sie mir: „Es ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
Mir fällt das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist….blau“ ein. In meinen Workshops für 4–6-Jährige setze ich es häufig ein. Die Kinder lernen: Jeder von uns sieht etwas anderes. Sie müssen genau hinsehen und zuhören, um das Gesuchte zu finden. Jeder nimmt etwas anderes wahr. Wenn ich sie frage, weshalb dies so ist, antworten sie: naja, wir sitzen alle anders oder es gibt die Farbe Blau hier häufiger.
In diesem uralten Spiel geht es um die Schulung der Wahrnehmung, des Beobachtens und des gegenseitigen Zuhörens. Es steigert die Konzentration auf das, was wir uns in der Stunde spielerisch bewusst machen und im Spiel erleben. Was sehe ich? Was höre ich? Was fühle ich? Was schmecke ich? Was rieche ich? Wozu sind diese Wahrnehmungen gut?
Dabei hat die Kreativität der Kinder keine Grenzen! In der zweiten Stunde haben sie oft viele Fragen und ebenso viele Antworten. Ich bin jedes Mal überrascht.
Wie ist es bei uns Erwachsenen? „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist…..? Oft geht es nicht um die Farbe „blau“ oder irgendeine Farbe. Bei uns Erwachsenen geht es z.B. um den Job. Wenn Sie in Ihrem Team oder unter den Kollegen/innen dieses Spiel spielen, könnte die Frage so aussehen: „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist eine große Lawine, die auf mich/uns zu rollt.“ Jetzt geht es darum zu erfragen, wie die Lawine aussieht. Ist sie farbig? Eine Welle, ein Ball? Wo kommt die Lawine her und aus welcher Höhe? Welche Konsistenz hat sie? Rollt die Lawine aus, oder verpufft sie? Welcher Auslöser hat sie aktiviert und ins Rollen gebracht? Kann ich die Lawine sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen? Wird die Lawine von jedem gesehen oder nur von 1-2 Personen? Wieso nimmt jeder etwas anderes wahr? Welche Gefühle kommen hoch?
Häufig sagen mir Führungskräfte: „Emotionen habe ich genügend in meiner Abteilung. Da muss ich nicht noch explizit darauf eingehen.“
Wozu denken Sie, kann der Umgang mit Emotionen in Unternehmen gut sein? Möglicherweise probieren Sie „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist….“ einfach mal aus. Kreativität schadet nicht….. Mehr dazu im Oktober.
Herzlichst Ihre
Kirsten Höckesfeld